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Berichte  -  Reisen

Westschweden  |  Bornholm

Südwestschweden

Stationen einer Reise, September 2008

Warum Südwestschweden?
Südwestschwedische Gesteine sind an den süddänischen Stränden und an der Flensburger Förde häufig anzutreffen.
Allen voran der unverkennbare Kinne-Diabas - aber auch Granat-Amphibolit und mafische Granulite in unterschiedlichen Abwandlungen sind nicht selten. Flammenpegmatit vermutlich lokal schon eher, denn er wird auf Grund seiner Farbigkeit gerne aufgehoben und mitgenommen - und ist dann erst einmal weg….

Neben diesen markanten Vertretern der südwestschwedischen Gneisregion gibt es noch die unauffälligeren, die man am Strand leicht übersieht, wenn das Auge für sie nicht geübt ist: Syenite aus dem Vaggeryd-Gebiet und Varberg-Charnockit zum Beispiel. Und wie steht es mit dem raren, rätselhaften „Schonengranulit“? Oder dem Nordwest-Dolerit, der nicht verwechselt werden will mit anderen feldspatführenden Diabasen? Dem Halmstad-Gneis, der den Flensburgern zum Beispiel vom Südermarkt-Pflaster her bei Regenwetter kräftig schwarz-rot streifig entgegenleuchtet… wo ist er „zuhause?“

So war es ein naheliegendes Anliegen, die hier einesteils vertrauten und gut bekannten, andernteils nicht recht fassbaren oder noch undeutlichen Gesteine in ihren Herkunftsgebieten aufzuspüren und eine Anschauung ihres Kontextes zu bekommen - soweit als möglich.


Die Stationen

 1 Kulla Gunnarstorp
 2 Kullaberg
 3 Steinbruch Åstorp
 4 Skäralid
 5 Björnemossa
 6 Bastad
 7 Veinge, Ramshall
 8 Halmstad Industriehafen
 9 Söndrum
10 Haverdal
11 Stensjöstrand
12 Varberg Festung
13 Getterön
14 Himle
15 Torpa-Granit, Tofta
16 Tjärnesjö-Granit, Börshult
17 Älvsered
18 Kungsäter
19 Grasskär
20 Sandhamn
21 Bua Strand
22 Gnipeberg
23 Fagered
24 Överlida
25 Gislaved
26 Klevshult  
geologischer Kartenausschnitt
    Graphik aus: www.kristallin.de
   

 

Kulla Gunnarstorp (lok. 1)



Auch wenn die wenig verfestigten Jura-Sandsteine der Helsingborg-Region (Raet-Lias) kein Thema für Leitgeschiebe-Studien sind, ist das Küstenkliff rein optisch allemal einen Besuch wert.
Es ist ein Teil des „Landborgen“, eines steilen fossilen Kliffabbruchs entlang einer bestehenden Verwerfung, der
sich durch Helsingborg zieht und nach Norden allmählich absenkt.
kulla gunnarstorp
   


Beim Schloß Kulla Gunnarstorp sind
goldbraune, eisenhaltige Sandsteinschichten
im Ufer aufgeschlossen.
Durch die eingelagerten Brauneisenkonkretionen, Kreuzschichtungen und die weichen Auswaschungen
durch den Wellenschlag entstehen äußerst reizvolle Strukturen.
In einer Partie (letztes Bild) sind Wellenrippeln
angeschnitten.
kuestenkliff kulla gunnarstorp  

raet-sandstein 1 raet-sandstein 2 raet-sandstein 3
raet-sandstein 4 raet-sandstein 5 raet-sandstein 6
   
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     Kullaberg (lok. 2)

 

Die nördlich des Öre-Sunds etwa 20 km weit in die See vorragende „Kullen“-Halbinsel ist touristisch gut besucht und vielerorts mit ihren sehenswerten Naturdenkmälern beschrieben.

Die Zeit und der „Ertrag“ meines Aufenthalts waren durch regnerisches Wetter beeinträchtigt, aber die Exponiertheit
der Klippen konnte dadurch vielleicht noch stärker erlebt werden.
kullen-halbinsel
       Kullenhalbinsel von Nyhamnsläge aus

 

kullenspitze 1 kullenspitze 2 kullenspitze 3 kullenspitze 4
an der Westspitze „Udden“      

 

Wenn man es auf sich nimmt, auf den Klippen Kullens Spitze zu umklettern, fällt bald auf, wie sehr der rötliche, feinkörnige Gneis in verschiedenen Richtungen von Adern und Gängen anderer Gesteinsarten durchzogen ist - es sind Risse und Klüfte im Gestein, die später durch neues (überwiegend dunkles) Magma ausgefüllt wurden.

Einige Beispiele:

a. migmatitischer Fels  

Migmatitisch verfaltete Lagen
durchziehen den Fels. Es sind mehr oder weniger feinkörnige, granat- und amphibolreiche Mafite plus hellgraue oder rötliche Felsite.
Auch mafischer Granulit ist in Partien erkennbar.
Er ist weiß gesprenkelt durch mafischer granulit
kleine Feldspatkristalle und
durchsetzt von feinkörnigem
Granat. Aus der Nähe erkennt
man die leicht
gneisige Ausbildung.

   
 

 

b. granatamphibolit anstehend   Es gibt Partien mit grobkörnigem weißschlierigem Granatamphibolit. Er enthält teilweise recht große Granatkristalle bzw. -aggregate und sieht von der Verwitterung stärker mitgenommen aus.

 

 

c. mafischer Kontakt  
Auffallend sind klar abgegrenzte
Kontakte zwischen ganz massiven,
dunklen Gängen (Dolerit?) und den
angrenzenden granitisch-gneisigen
bzw. migmatitischen (Probe unten: auch
granulitischen) Lagen.
Möglicherweise ist dieses sehr
feinkörnige Magma die letzte der
verschiedenen Intrusionen gewesen und
in keine tektonische Bewegung mehr
einbezogen worden.
 
  mafischer Kontakt 2   Kontakt  

 

d. pegmatit bunte Pegmatite  
Heller sieht es auf der Südseite vom „Udden“ aus.
Statt mafischer Intrusionen durchziehen dort Adern aus rotgelbem Pegmatit den rötlichen Gneis. Unverkennbar ist es der uns vertraute „Deformierte Pegmatit“ bzw. „Flammenpegmatit“.



flammenpegmatit

 

So hat die Kullen-Spitze bereits einige der südwestschwedischen Metamorphite präsentiert.
Sie hat beispielhaft gezeigt, dass das Gebiet durch Gebirgsbewegungen beansprucht und petrographisch verändert wurde.

         Kullait

Da der sporadische Regen sich verstärkt und es jetzt ringsum sehr eingenebelt aussieht, trete ich den Rückzug an, ohne die Kletterpartie zu Wallengrens Grotta zu machen und den dort anstehenden Kullait aufzusuchen. Das ist zu verschmerzen, denn zu Hause liegt bereits wohlverwahrt ein sehr schönes Mitbringsel von M. Bräunlich von einer früheren Exkursion:
 

  kullait kullait ausschnitt  
                 Kullait, Anstehendprobe von Wallensgrens Grotta, Kullen, leg. Matthias Bräunlich.  

 

  Einige Zeit später erweist es sich als hilfreich,
im strömenden Regen, den Schirm in der Hand,
die steile Schlucht zu Josefinelust hinuntergestiegen
zu sein:
Mühelos lassen sich im Strandgeröll die nassen, rotbräunlichen Kullaite ausmachen, ebenso die beiden schmalen, die Schlucht durchschneidenden Gänge
dieses besonderen Diabas-Mischgesteins.
Detaillierte Information zum Kullait z. B. über http://www.kristallin.de/.

  josefinelust  

kullaitgang kullait anstehend kullaitgeröll
   Kullaitgang, ca. 50 cm breit    anstehender Kullait    Kullaitgeröll am Strand

Der etwas breitere der beiden Gänge ist deutlich rotbraunfarbig, mit reichlich kleinen roten Feldspatsplittern.

Der schmalere, nur etwa 25 cm breit, ist mehr grün-bräunlich, mit weniger und dünneren Feldspatkristallen in der insgesamt dunkleren Grundmasse, auch die Einsprenglinge sind rar - ein Übergang zum gewöhnlichen Diabas möglicherweise. Verstreut finden sich im rotbräunlichen Typ rot gerandete, trüb-schwärzliche Feldspateinsprenglinge, sie sehen nach Plagioklas aus. Mehr ist ohne weitere Hilfsmittel nicht festzustellen

loser stein kullaitgeröll kullaitgeröll 2
   loser Stein; Josefinelust    Kullaitgeröll Josefinelust    dunklere Kullait-Variante

Die Kullaite von Josefinelust erscheinen in beiden Typen bräunlicher (weniger feldspatreich) als der rote Typus von Wallengrens Grotta.

  kullaitgang zerklueftete kueste kullaitgang 2  
     anstehender braunroter Kullait    zerklüftete Küstenlandschaft    grünbrauner Kullaitgang  

Kullaite sind als Geschiebe sicher äußerst selten, die Fundwahrscheinlichkeit ist gering. Es sind jedoch Funde belegt - und die Attraktivität dieses diabasischen Mischgesteins empfiehlt, die Augen offen zu halten - am besten bei nassem Wetter!


Nordwest-Dolerit


Ebenfalls am Kullaberg-Horst kann man Nahgeschiebe des Nordwest-Dolerit finden.
Es sind
a. schwarze, sehr feinkörnige Ganggesteine mit papierdünnen, dunkel getönten Plagioklasflächen. Je nach Anschnitt der Plagioklas-Kristalle erscheinen feine Leisten oder spiegelnde Flächen, bis 2 x 2 cm groß. In der Verwitterung bzw. in der Außenseite eines Gerölls oder Geschiebes werden diese feinen Leisten allerdings weiß. Die feinkörnigen, nahezu dichten schwarzen Typen fühlen sich als Geröll glatt wie dichter Basalt an.
b. Bei den etwas grobkörnigeren Formen liegen die dünnen Plagioklasblätter ebenso richtungslos gestreut, die Zwischenmasse wirkt dunkelgrau, unter der Lupe ist aber ein feines ophitisches Gefüge erkennbar. Tastgefühl: weniger glatt.
c. Die Gerölle der deutlich grobkörnigen Form wirken rostig bräunlich, fühlen sich rau an. Die Grundmasse ist ophitisch, Magnetitkörner lassen sich mit dem Magneten nachweisen.

  nordwestdolerit   nordwestdolerit  
  NW-Dolerit mit feinkörniger Grundmasse      NW-Dolerit mit grobkörniger Grundmasse  
Nahgeschiebe Arild, Kullaberg
   
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         Eine Annäherung an den

       Schonengranulit? (lok. 3)   

  Einem Hinweis von Per Smed folgend suchte ich den Makadam-Steinbruch in Åstorp (lok. 3)
am westlichen Ende des Söderåsen auf - ein sehr großer Bruch im rötlichen, feinkörnigen Gneis. Da im tiefliegenden Abbauarreal mit großem Einsatz und schwerem Gerät gearbeitet wurde, durfte ich nur im Bereich der oberen Rampen auf Spurensuche gehen.
  rotgneis  
         Rotgneis von Åstorp  

Der feinlagige rote Gneis ist durchzogen von pegmatitischen Strukturen unterschiedlicher Feinheit und Mächtigkeit -
alle (von mir gesehenen) zeigen Merkmale starker Deformation.

  pegmatitgang   deformierter pegmatit  
  Gang im Rotgneis (def. Pegmatit)      Deformierter Quarz-Feldspatpegmatit  

pegmatit 1 pegmatit 2 pegmatit 3
   unterschiedliche Feinheit im schlierigen Gefüge der Pegmatite

 

  granulit dem „Schonengranulit“ am nächsten?



Mir blieb die Frage offen, ob der gesuchte „Granulit“ den feinen Pol im Spektrum der deformierten Pegmatite darstellt?
 

Die unmittelbare Nähe zu Jura-Formationen zeigt sich im Steinbruch übrigens in den vielen calcitschüssigen Brekzien - sowohl mit eingelagerten, schiefrigen Meta-Dolerit- als auch mit Gneisbruchstücken. Die kleine Ausstellung im Büro zeigt ansehnliche Kalkspatstufen, z. T. mit Pyrit bestäubt.

  metadoleritbrekzie   gneisbrekzie  
   Metadoleritbrekzie      Gneisbrekzie  
  metadoleritbrekzie  
  calcitgebundene Metadoleritbrekzie, Åstorp  
   
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      Skäralid (lok. 4)

  Eine Wanderung durch die
Schlucht von Skäralid ergab weitere Indizien,
dass der Horst Söderåsen auch an seiner östlichen
Seite Gesteine beheimatet, die den von Per Smed beschriebenen und hier lokalisierten „Schonengranulit“ darstellen oder ihm nahekommen.
Da es ein sonniger (!) Tag und dieses touristisch
gut erschlossene Naturschutzgebiet sehr frequentiert war, verzichtete ich auf ein Bearbeiten des Blockhalden-Materials mit dem Hammer  - so sind die aufgesammelten Stücke angewittert und dürftig… und doch geben sie einige Hinweise.
  skaeralid  

 

skaeralid 1 skaeralid 2 skaeralid 3

Der graue Quarz ist plattig-schlierig, sehr feinlagig. Der sehr kleinkörnige Feldspat füllt den übrigen Raum. In der Verwitterung zeigt sich seine feine Körnigkeit (rechts). Mit der Lupe sind keinerlei mafische Komponenten zu erkennen.

Gründlichere Recherchen und besseres Beleg-Material können sicher klarere Ergebnisse bringen…

   
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Båstad, Hallandsås (lok. 6)

  Die Frage, wie nach Norden zu im nächsten Horst
die Pegmatit-Varianten aussehen (ob ähnlich feinschlierig), ließ mich den stillgelegten Steinbruch
in Båstad am westlichen Ende des Hallandsås aufsuchen.

Die von mir dort gefundenen Partien und Gesteine sind im allgemeinen flaseriger und weniger fein liniert als im südlicheren Söderåsen, auch tritt jetzt die Dreifarbigkeit auf durch die deutlicheren Anteile an gelbem Plagioklas.

  Steinbruch Bastad  
          Im stillgelegten Gneis-Steinbruch von Båstad  

 

  bastad-pegmatit   bastad-pegmatit  
   Bunte deformierte Pegmatite, feinkörnig, Steinbruch Båstad  
   
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          Halmstad-Gneise (lok. 8)

Die auffallenden, rot-schwarz gestreiften Pflastersteine aus dem Flensburger Stadtgebiet in Erinnerung, war ich nun neugierig auf das Erscheinungsbild der Halmstad-Gneise. Das Aha-Erlebnis angesichts der mächtigen Uferschutzwälle am Industriehafen im Süden von Halmstad (Västerwallvägen) ließ nicht lange auf sich warten. Dort liegt jede Menge frisches Anschauungsmaterial. Der migmatitische Charakter ist unverkennbar  -  jeder Brocken hat sein eigenes Dekor.

  Hlamstad-Gneise als Uferschutz   halmstad-migmatite  
  Uferschutz am Industriehafen von Halmstad: migmatitische Söndrum-Gneise  

Die Steinbrüche im Stenhuggeriet von Söndrum (lok. 9) bestätigen die Herkunft des Materials.
Info-Tafeln weisen auf den früher ausgedehnten, europaweiten Handel mit den "Söndrum-Steinen" und ihre Beliebtheit als Dekor-Steine hin. Sie werden auch bei uns noch als Material für Grabsteine gehandelt.

  bastaskaerbrottet   soendrum-gneis  
                  Der größte Bruch: „Bastaskärbrottet“, Söndrum                     migmatitischer Söndrum-Gneis, weit als Handelsware verbreitet    

 

Nüchterner gibt sich der graue Gneis im kleinen, überwachsenen Steinbruch von Haverdal (lok. 10), nördlich von Halmstad. Er ist mit rötlichen, pegmatitischen Bändern und unauffälligeren, rötlichen Schlieren durchsetzt.

  haverdal-gneis
grauer Haverdal-Gneis mit Pegmatit
 
Dieser Sitzplatz mit „Lokalkolorit“
im alten Steinbruchgelände im haverdal-steinbruch
lädt ein, den schönen
Ausblick auf das Meer
zu würdigen.

Der Steinbruch ist
die partiell abgetragene
Kuppe eines Felsbuckels
nahe am Wasser.
Die abgebauten Gesteine wurden überwiegend
verschifft.
   
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         Charnockit

           von Björnemossa (lok. 5)
  charnockit   charnockit ausschnitt  
  Charnockit mit Verwitterungsrinde     Ausschnitt   

Bereits an der Grenze zwischen Schonen und Halland stieß ich auf das südlichste bekannte Vorkommen eines Charnockits in Südwestschweden (nach einer Angabe durch R. Vinx).
Es ist ein versteckter kleiner Aufschluß bei Björnemossa nahe Örkelljunga. Sehr klar zeichnet sich die Verwitterungsrinde im Handstück ab. Kleine Granatkörnchen sind in geringer Zahl im Gestein eingestreut. 

  oxydierter charnockit
Eine oxydierte Gesteinsprobe bestätigt
die Feinkörnigkeit des Charnockits von
Björnemossa.
    feinkörniger, oxydierter Charnockit
   
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         Charnockit von Ramshall (lok. 7),

südöstlich von Halmstad und westlich von Veinge.
Diesen Ort suchte ich auf, weil die geol. Karte hier Charnockit vermerkte  -  auf Verdacht also.

Zunächst war die ganze Gegend nicht sehr vielversprechend  - ausgedehntes, flaches Ackerland. Aber im Zentrum des Kringels auf der Karte eine kleine Kuppe, bewachsen und bebaut. Auf ihrer "Höhe" eine große Veranstaltungshalle mit Parkplatz. Beim Herumschlendern stieß ich immerhin auf kleine offene Flächen anstehenden Gesteins,...

  ramshall 1  
...eine aus dem Bewuchs lugende, ausgewitterte Platte am Parkplatz auf der Kuppe von Ramshall.


Ein lokaler, sehr zugewachsener Steinbruch,
100 m weiter an der Südflanke dieses kleinen Vorkommens lieferte einiges Anschauungsmaterial.
Es ist ein weiteres isoliertes, südliches Vorkommen von Charnockit  -  diesmal ein feinkörniges, gneisiges Gestein.
 

 

veinge-charnockit veinge-charnockit 2 veinge-charnockit 3
     
veinge-charnockit veinge-charnockit 5 veinge-charnockit 6

Das Gestein weist granulitisch-gneisige Textur auf.
Es ist, in den hellen wie auch in den mafischen Partien, reichlich von klarem Quarz durchsetzt und deshalb recht fest. Die hellen Partien sind ein kleinkörniges Gemenge aus rötlichem oder blassrosa bis fahlgrünlichem Feldspat und Quarz.
Die schwarzen Schnüre oder Flecken bestehen aus sehr feinkörniger Hornblende, eventuell auch Biotit und weiteren Nebenbestandteilen, durch Quarz „verschweißt“. Staubfeine Granatkörnchen sind v. a. in den mafischen Aggregaten hier und da mit der Lupe erkennbar.

   
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Eine weiteres Vorkommen eines Charnockits befindet sich in dem etwas abseits liegenden

"Bolagsbrottet" in Söndrum, Halmstad (lok.9)


Er weist interessante Einschlüsse auf.

  bolagsbrottet   Auf der Südseite sind die brekziösen Trümmer eines umfangreichen mafischen Einschlusses sichtbar.
Da er sich fächerförmig nach oben weitet,
ist möglicherweise hier nur noch der kleinere untere Teil dieser Intrusion im Aufschluss vorhanden.
 
     mafischer Einschluss im Bolagsbrottet      

Auf der Nordseite zieht ein undeutlich begrenzter Pegmatitgang nahezu senkrecht durch den Fels.
Unterlagen der DMG-Tagung 1996 (Vorexkursion IG Lund) benennen die Bestandteile des Pegmatits: Quarz (grau), Mikroklin (rot), Plagioklas (weißlich), Klinopyroxen + Hornblende (schwarz).

  pegmatitader plus charnockit pegmatitader plus charnockit pegmatit  
  Pegmatitgang, flankiert von charnockitisiertem Gneis hornblendereicher Pegmatit grünlicher Feldspat-Megakristall  

Das Gestein zu beiden Seiten als Übergang zum rötlichen Gneis sieht ungewohnt grüngrau aus.

Es ist Charnockit als Umwandlungsprodukt des granitischen Gneises im Kontakt zu dem Pegmatitgang (s. oben erwähnter Bericht).

  charnockitisierter gneis   kontakt  
  Ausschnitt: charnockitisierter Gneis   Ein Handstück des Kontaktes zwischen dem deformierten Pegmatit und dem grünlichen Charnockit (linker Rand).  
  charnockit soendrum   charnockit soendrum 2
  Charnockit vom Bolagsbrottet, Söndrum. Die Granatkörnchen in den Charnockit-Proben sind mikroskopisch klein.
   
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         Varberg (lok. 12)

Der umfangreichste Charnockit-Komplex in Südschweden ist mit unterschiedlichen Ausprägungen in der
Region um Varberg aufzufinden.

  varberg festung   festungsmauerwerk  
  Varberg Festung   Festungsmauerwerk  

So prägt der überwiegend grünliche Varberg-Charnockit nicht nur das Erscheinungsbild der großen Festungsanlage, sondern findet sich an vielen Stellen als Gebrauchsstein im Stadtbild.
Rund um die Festung kann man als Uferbefestigung vorhandenes Gesteinsmaterial studieren, ebenso in den ehemaligen Steinbrüchen zwischen Festung und Krankenhaus. Dabei lassen sich zwei Farbvarianten feststellen:
die verbreitete grünliche und eine seltenere bräunlich-rötliche.

  gruenlicher varberg-charnockit   roetlicher varberg-charnockit  
     grünlicher, sehr feinkörniger Charnockit   granatreicher, braunrötlicher Charnockit  

Im Gefüge überwiegen feinkörnige oder leicht gneisige Typen, wobei der gneisige Charakter durch die flaserige Streckung der mafischen Aggregate entsteht. Wird der Stein parallel zu diesen flachen Aggregaten geschnitten und poliert, entsteht eine großflächig schwarzpunktierte Wirkung, die für Deko-Zwecke eingesetzt wird.

Die feinkörnige Gesteinsmasse ist zuckerkörnig granulitisch, mitunter so fein, dass man an grünen „Sand“ denken könnte
(z. B. im ersten Bild). 

  gneisiger varberg-charnockit   schwarzfleckiger deko-stein  
     feinkörniger, gneisiger Charnockit   Gesägte und in einer Hälfte polierte, schwarzfleckige Platte, Fußgängerzone Varberg  

  grobkoerniger varberg-charnockit  

Grobkörnige, quarzreichere Partien finden sich
als schmale oder breite Bänder
(von 1 cm bis 1 m breit) oder als Linsen im feinkörnigen bzw. gneisigen Charnockit.
Sie stellen meiner Wahrnehmung nach hier
die Ausnahme dar.
Die spiegelnde Fläche rechts im Bild gehört zu einem ca. 3 cm langen Plagioklas-Kristall (mit Zwillingslamellen), in den graue Quarzkörner eingelagert sind.
 
     grobkörniger Varberg-Charnockit      

 Porphyrische Formen treten in größeren Komplexen mit eingelagerten Megakristallen aus schwärzlich-grünem Kalifeldspat auf. Plagioklas ist meist unscheinbar in die feinkörnige Zwischenmasse eingebunden.

  porphyrischer varberg-charnockit   porphyrischer Varberg-Charnockit  
  porphyrischer Varberg-Charnockit  

Alle kleinen Proben stammen aus den Steinbruchhalden.
Zur Anschauung einige weitere Aufnahmen aus dem Material des Uferschutzes, Bildausschnitte ca. 20 - 25 cm.

  roetlicher charnockit   mittelkoerniger charnockit  
     rötlicher Charnockit     mittel - grobkörniger Charnockit  
  grobkoerniger Charnockit   angewitterter varberg-charnockit  
 

Ausschnitt: mittel-grobkörniger Charnockit

     angewitterter porphyrischer Charnockit  
   
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Gute Eindrücke vom Vorkommen und dem Erscheinungsbild des Charnockits bietet die nordwestlich von Varberg gelegene

Halbinsel Getterön (lok. 13).

Dort stehen weiträumig abgeschliffene Felsen an. Wo sie frei von Flechten sind - d.h. zwischen der geschwärzten Nasszone an der Wasserlinie und den überwachsenen höheren Lagen, kann die Textur und die Lagerung studiert werden. Auch können Gerölle gesammelt werden.

  getteroen roeselandskap   grobkoernige baender  
     Getterön, Röselandskap    grobkörnige Bänder liegen oft parallel im Meterabstand  
  porphyrischer varberg-charnockit   klueftung und baenderung  
     porphyrischer Charnockit      Klüftung und Bänderung divergieren  
  grobkoerniges band   grobkoernige linse  
    sehr grobkörniges Band     grobkörnige Linse  
  aplitring   aplitringe  
Eine interessante Partie lädt zum Grübeln über ihre Entstehung ein:
wie „Raucherringe“ liegen Ringe aus aplitfeinem hellem Gestein im rötlich-porphyrischen Charnockit.
(Getterön, Klippen am Campingplatz)
uebergang mafischer granulit ausschnitt mafischer granulit
 Übergang vom Charnockit zu einem rötlichen Gneis,   granatreiche Intrusionen aus mafischem Granulit,   Ausschnitt mafischer Granulit

 

 Einige Strandsteine zu weiterer Anschauung (Getterön Röselandskap und Campingplatz):

  strandstein 1   strandstein 2  
  Ein grünschwarzer Kalifeldspat (Karlsbader Zwilling, 2 cm lang) hat dafür gesorgt, dass die Foliation umgelenkt wurde - rechts im Stein.   Einen ähnlichen, eleganten Schwenk vollzieht auch das schwarze Aggregat in diesem Stein, in der Mitte über einem entsprechenden Kalifeldspat (3 cm lang).  
  strandstein 3   ausschnitt strandstein 3  
  Die „Grobkörnigkeit“ dieses rötlichen Charnockits ist größtenteils vorgetäuscht: Die unregelmäßig begrenzten Flecken sind graugrüne Kalifeldspäte, die eingehüllt sind in eine Rundum-Packung aus zuckerkörnig granuliertem, feinem Feldspat. Zum Teil ist von dem eigentlichen Kristall nicht mehr viel übrig geblieben, alles ist zu einer „Wolke“ aus sandkornkleinen Feldspatkörnern geworden. Noch feiner sind die eingestreuten Granatkörnchen (z.B. unterhalb des Feldspatkristalls im mafischen Komplex).  
  strandstein 4   Hier sind mehr von den porphyrisch eingelagerten, größeren Feldspat-Kristallen vorhanden. Die weißlichen Streifen und Flecken im Stein sind quer abgeschlagene und hell gestoßene, unregelmäßig geformte Kalifeldspäte. Auch die Mafite in den Aggregaten sind weniger feinkörnig als in der vorigen Probe. Es gibt aber auch hier eine zuckerkörnige Matrix zwischen den Feldspäten und mafischen Komplexen.  
   
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Während die Charnockit-Gesteine um Varberg überwiegend feinkörnig-gneisig ausgepägt sind, zeigt ein

Strassenaufschluss bei Himle (lok. 14)

südöstlich von Varberg,
einen mittel-bis grobkörnigen, festen, vergleichsweise quarzreichen Charnockit. Es handelt sich um eine Intrusion in einem feinkörnigen, rötlichen Gneisgranit.

  himle-charnockit    probe himle-charnockit  
     Charnockit am Aufschluss Himle      Charnockit von Himle   
   
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Roter Varberg-Granit

Am Uferweg in Varberg, zwischen Festung und Krankenhaus, stößt man mitten im Charnockit-Gebiet auf ein rot-schwarzes magmatitisches Gestein, das auf Grund seiner Farbe und Textur überrascht.

  aufschluss am uferweg   roetlicher magmatit  
   1 Aufschluss am Uferweg     2 Ausschnitt von 1   
  probe 1   probe 2  
   3 Gesteinsprobe    4 Gesteinsprobe  

Schaut man genauer hin, werden Besonderheiten deutlich: der reichlich vorhandene, klare, graue Quarz tritt gemeinsam mit den schwarzen Gemengteilen auf und umschließt die bis mehrere cm großen, roten Feldspatansammlungen.
Diese sind keine Einzelkristalle, haben aber häufig den annähernd rechteckigen Umriss der Feldspatkristalle (s. Abb.2) und bestehen aus unzähligen, bis 2 mm großen Kristallkörnchen, vielfach ohne klare Form. Es ist granulierter Feldspat.

  probe 3   probe 4  
   5 Gesteinsprobe     6 Gesteinsprobe   

Die körnigen Komplexe bestehen überwiegend aus roten Feldspatkörnern, in den größeren Komplexe finden sich jedoch oft Anhäufungen hellgelber Körner (s. Abb.6). 

  probe 5   probe 6  
  7 Gesteinsprobe   8 Gesteinsprobe  

In den roten Feldspatkomplexen können Granatkörnchen schwer erkannt werden, in den gelben wohl (s. Abb. 7 und 8).

Es handelt sich um den von Holmquist (1906) erwähnten "Augengneisgranit mit granuliertem Feldspat und rauchgefärbten Quarzkörnern von Warberg", ein isoliertes Vorkommen des Torpa-Granits in einer stark granulierten Form. Heute weiß man, dass der Torpa-Granit eine mit dem Varberg-Charnockit assoziierte granitische Intrusion ist. Beide entstammen der Hochdruck-Granulitfazies.

   
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Granite im Umfeld des Varberg-Charnockits


Da mich Granit-Vorkommen grundsätzlich interessieren, habe ich mich bemüht, einen Eindruck von den eingetragenen porphyrischen Graniten östlich und nordöstlich von Varberg zu bekommen (geologische Karte Nr. 41). Hier finden sich
z. B. einige kleinere Vorkommen von mafitreichen (monzonitischen) Graniten mit Megakristallen aus
dunkelbraunviolettem Kalifeldspat.

Torpa-Granit (lok. 15)

aufschluss tofta torpa-granit torpa-granit
 angewitterter Straßenaufschluss in Tofta,   Torpa-Granit, Tofta (6 km nordöstlich von Varberg)

Neben dem oft großkörnigen Kalifeldspat gibt es Anhäufungen von gelbweißlichem, kleinkörnigem Plagioklas.
Schwarze Aggregate aus Biotit und Hornblende füllen gemeinsam mit dunkelgrauem Quarz die Zwickel zwischen den groß- oder grobkörnigen Kalifeldspäten.
 

Tjärnesjö-Granit (lok. 16)

tjaernesjoe-granit   Zwei Proben aus dem Gebiet des Tjärnesjö (ca. 40 km östlich von Varberg):
Ein dunkles, deutlich deformiertes Gestein mit ähnlichen Bestandteilen wie der Torpa-Granit.
Leider war es mir nicht möglich, frisches Gesteinsmaterial zu gewinnen - so bleibt der Eindruck ein etwas allgemeiner, verwischter.  
  Tjärnesjö-Granit, Straßenaufschluss Börshult      

Granit von Älvsered (lok. 17)

granit von aelvsered granit von aelvsered   Rot gerandete, bräunlich violette Feldspatmegakristalle sind in eine Zwischenmasse eingebettet, die aus granuliertem (zuckerkörnigem) weißlichem Feldspat, grauem Quarz, dünnen glänzenden Biotitflöckchen und stumpfen Hornblendekristallen besteht. Staubfeine Granatkörnchen sind in mafische pulverfeine Komplexe eingestreut. 
  Proben von einem Straßenaufschluss bei Älvsered, etwa 12 km nördlich des Tjärnesjö      

Granit von Kungsäter (lok. 18)

  granit von kungsaeter   Ein großkörniger Granit mit hellen, frischen Farben -
roter Kalifeldspat, weißgelblicher Plagioklas,
dunkle Minerale = Biotit und Hornblende, hellgrauer Quarz.

Farbe und Gefüge unterscheiden sich deutlich von den dunklen Typen des Torpa-Granits.

 
 
  Probe von einem Straßenaufschluss bei Kungsäter,
ca. 30 km nordöstlich von Varberg
     
   
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         Vaggeryd-Syenit (lok. 26)

Auch ich stand vor dem Handicap, dass es schwierig ist, Aufschlüsse im Vaggeryd-Gebiet zu finden.

  torstein vaggeryd-syenit     ausschnitt syenit

   
So begrüßte ich bei der Anfahrt zum Tåberg diesen aufgestellten Stein als ersten Wink:
Ein partiell bearbeiteter Syenit als
Hofstein bei Munkabo.
Die gneisige Schräglagerung hat möglicherweise zum
ungewollten Bruch (oben) geführt. 
         

 

Ein Syenit-Steinbruch bei Klevshult im Vaggeryd-Gebiet, ca. 40 km südlich von Jönköping (lok. 26):

 Eine von M. Bräunlich geleitete, mehrtägige Exkursion Mitte September 2008 bereicherte meine eigene Reise in bester Weise. Gemeinsam wurde dieser als Holzlager genutzte, alte Syenit-Bruch aufgesucht. Die schwarz-rote Grobkörnigkeit des Gesteins ist unübersehbar. 

  steinbruch klevshult   vaggeryd-syenit  
  Syenit-Steinbruch bei Klevshult, 20 km südlich  von       Vaggeryd      grobkörniger Syenit   
syenit 1 syenit 2 syenit 3 syenit 4

Das Gestein enthält bis 1,5 cm große graurötliche Feldspäte in einer überwiegend sehr feinkörnigen, schwarzen Zwischenmasse aus (vermutlich) Biotit und Hornblende. Sehr wenig Quarz in manchen Zwickeln. Die Feldspäte haben keine klaren Konturen, sind trüb-matt und oft durchsetzt von staubfeinen mafischen Partikeln. Es gibt Feldspatkomplexe (3. Bild) mit rötlichen Konturen, die ansonsten aus einer graugrünrötlichen mineralischen „Pudermasse“ zu bestehen scheinen. Das eher bröcklige Gestein wirkt insgesamt wie mit Gesteinspulver durchstäubt.

  scherzone 1  scherzone 2   schiefriges Gestein    
 
Die Wände des Steinbruchs weisen senkrechte Klüfte als Scherzonen mit geschiefertem Gestein auf - ein Hinweis auf Störung und Beanspruchung des Gebietes: Partien des Gesteinsmassivs sind im Hinblick auf andere Partien verrutscht, abgesackt und haben ihre gegenseitigen Randzonen, möglicherweise auch eingedrungenes doleritisches Magma dabei „verschmiert“. 
   
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         Mafische Granulite (lok. 11, 19, 21)

Mit dunklen Magmen gefüllte Klüfte bzw. mafische Gänge oder flächige Intrusionen sind im südwestschwedischen Grundgebirge zwischen Kullen und Varberg vielfach anzutreffen.
Manche haben die granulitfazielle Metamorphose der Region mitvollzogen - aus Basalten und Doleriten wurden dabei „Mafische Granulite“.
Wir finden sie als intrusive Bänder oder Bereiche in Steinbrüchen und Strassenaufschlüssen und können dort das Material in die Hand nehmen und studieren.


Als migmatitische Einlagerungen finden wir Mafite in besonders anschaulichen und schönen, freilich unantastbaren Formen in den abgeschliffenen offenen Klippen an der Küste zwischen Halmstad und Bua.

storaskaer bua strand lerhuvudet
         Storaskär, Steningestrand   Bua Strand  Lerhuvudet, Klosterfjorden
stensjoestrand  lerhuvudet stensjoestrand
       Stensjöstrand  Lerhuvudet, Klosterfjorden  Stensjöstrand 

Das Naturschutzgebiet von Stenjöstrand zeigt mannigfaltige und optisch vielfach staunenswerte Ausprägungen von Magmamischungen, migmatitischen Partien und Deformationserscheinungen. Die Strukturen "fliessen" in den flachen, geglätteten Klippen zum Ufer hin  -  man spaziert über ein kilometerweites Tableau erstarrter, plastischer Bewegtheit.

   
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        Granatcoronit (lok. 25)

   grasskaer

Feinkörniger Granatcoronit als anstehendes Klippengestein
auf der Halbinsel Grasskär (s.u. lok. 19) südlich des Klosterfjorden.

  detail aus anstehendem granatcoronit   
ausschnitt 
         

        Gislaved (lok. 25)

  aufschluss gislaved   probe gislaved  
    Straßenaufschluss mit Halde, Gislaved      Probe Granatcoronit, Gislaved   

Bei Gislaved gibt es einen Strassenaufschluss mit umfangreicher Blockhalde. Es handelt sich um mafischen Granulit,
z. T.  feinkörigen Granatcoronit.
Ein Wegweiser durch hilfreiche Steinfreunde: Eine Corona aus Quarzsteinen kennzeichnet den Bereich der Halde, wo gehäuft Coronite zu finden sind.
(Erstbeschreibung des Granatcoronits als Leitgeschiebe durch R. Vinx „Archiv für Geschiebekunde“ 2/1 März 1996)


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        Grasskär (lok. 19)

  Die Schären-Halbinsel Grasskär südlich des Klosterfjorden ist eine weiträumige Naturlandschaft, ein baumloses Heidegebiet  -  und eine Fundgrube im Hinblick auf Gesteine.    Grasskaer  
granatamphibolit anstehend granatamphibolit anstehend

Anstehender Granatamphibolit
und loser Strandstein
   
   
   
  granatamphibolit loser stein
   

 

Weiter westlich ein Kontakt ( = diagonal im Bild) zwischen feinkörnigem Amphibolit und hellem deformiertem Pegmatit bzw. Flammenpegmatit.
Im Pegmatit waren Hornblende-Megakristalle ausgebildet.

kontakt pegmatit mafische einschluesse
Kontakt Amphibolit-Pegmatit   Hornblende-Megakristalle
hornblende-megakristallhornblende-megakristall
 

Die Hornblende-Megakristalle waren ein neues Aha-Erlebnis für mich, denn am Strand von Voderup/Aerø hatte ich im Jahr zuvor genau dies als Strandstein gefunden - einen Flammenpegmatit mit mafischen Einschlüssen. Die sonst im Flammenpegmatit nicht üblichen dunklen Einschlüsse sind einem solchen Kontakt zum Amphibolit geschuldet - das war die Antwort auf eine einjährige Frage.

flammenpegmatit

 

         Weitere Megakristalle:

kalifeldspat plagioklas perthit
  Kalifeldspat-Megakristall    Plagioklas mit Zwillingslamellen    Feldspat mit perthitischer  Entmischung

 

violettgrauer feldspat pegmatitrippe kalifeldspat
   Violett-graue Feldspäte Nicht deformierte Pegmatitrippe in feinkörnigem, mafischem Gestein, Feldspat-Megakristall in Gneisgranit, loser Stein, Grasskär
   
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          Flammenpegmatit (u. a. lok. 11)

Deformierter Bunter Pegmatit bzw. Flammenpegmatit
(Erstbeschreibung als Leitgeschiebe siehe R. Vinx in „Archiv für Geschiebekunde“ 2/6 1998)


Nicht deformierte und deformierte Pegmatite finden wir im gesamten südwestschwedischen Gneisgebiet als eingelagerte Gänge in unterschiedlichen Ausprägungen. Wenn sie mit dem metamorphen Gastgestein in gleicher Richtung "fließen" (konkordant), zeigen sie meist entsprechende Deformationserscheinungen  -  sie unterlagen denselben Einwirkungen wie das umgebende Gestein. Wenn sie quer (diskordant) und  -  somit zu einem späteren Zeitpunkt  -  den Fels durchschneiden, sind sie oft nicht oder wenig deformiert.

  flammenpegmatit   bunter pegmatit  
     Konkordanter Flammenpegmatit, Stensjöstrand     Diskordanter Pegmatit, Bua Strand   

Die deformierte und schön dreifarbig geflammte Variante habe ich weniger oft angetroffen - häufig dann eher kleinkörnig.

  flammenpegmatit   bunter pegmatit  
    Flammenpegmatit Stensjöstrand      mäßig deformierter bunter Pegmatit, Grasskär   
   
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         Gneis (u. a. lok. 20)

Deformierte granitoide Gesteine prägen das Landschaftsbild in Südwestschweden - oftmals in bewundernswerten Bildungen.

  feinwelliger gneis   migmatitischer gneis  
  Heller, feingewellter Gneis, Grasskär   migmatitischer Gneis, Lerhuvudet, Klosterfjord  
  baendergneis   migmatischer gneis  
  Einfallender gebänderter Gneis, Sandhamn, Klosterfjord   Migmatitisch gebänderter Gneis, Sandhamn am Klosterfjord  

An der Nordseite des Klosterfjorden, am Strand von Sandhamn, lassen sich diese deutlich einfallenden, migmatitisch gebänderten Gneise bewundern. In großen Partien ragen sie wie "abgekippt" aus dem Sand. In der Verwitterung wird
die klare Bänderung plastisch: die härteren, felsischen Lagen widerstehen.

  einfallender gneis   verwitternder gneis  
      Einfallender Gneis, Sandhamn Strand        Verwitterter Fels im Gelände oberhalb   
   
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Pegmatite bei

Gnipeberg (lok. 22)

Ein Blockhang im Wald bei Gnipeberg überraschte mit interessanten Pegmatiten.
Zwei Beispiele:

Quarz-Feldspat-Pegmatite können in Ausnahmefällen ein besonderes graphisches Gefüge zeigen. Die beiden Minerale sind dabei in einem winklig-keilschriftartigen Muster ineinander verwachsen  -  im Querschnitt erscheint ein sog.    
"Schriftgranit". Das Exemplar von Gnipeberg zeigt Übergänge von feinem zu gröberem Gefüge.
schriftgranitaufsicht schriftgranitseitenansicht schriftgranitausschnitt
  Schriftgranit im Querschnitt:
   das keilschriftartige Muster wird sichtbar
 
  Schriftgranit von der Seite: erkennbar die
   gestreckte, deformiert-pegmatitische 
   Lagerung 
 Schriftgranit, Ausschnitt im feinen Gefüge
 
  Schnitt und Schliff wurden durchgeführt durch Horst Königsmann, Apersen 

Neben Quarz-, Glimmer- und Alkalifeldspat-Megakristallbrocken fand sich ein ungewohnt großes Stück aus grünlichem, braun oxydiertem Plagioklas.

plagioklas plagioklas plagioklas
  Plagioklas (Kalknatronfeldspat) von Gnipeberg
   
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Amphibolit-Taufsteine von

Fagered (lok. 23)

"Funtaliden" bei Fagered ist eine rekonstruierte Steinmetz-Werkstätte vor lokalhistorischem Hintergrund. Hier wurden im Mittelalter Taufsteine aus dem in der Umgebung vorhandenen Gestein angefertigt, aus Gneisen, feinkörnigem Diorit oder Amphiboliten. Vor allem der "Grünstein" (Amphibolit) scheint bevorzugt verwendet worden zu sein. Diese düsteren Taufbecken wurden allerdings später gerne farbig gefasst. Heute wird versucht, die alten Taufsteine in ihrem originalen  Zustand wieder in Gebrauch zu nehmen.

werkstueck funtaliden taufsteinullared taufsteinfagered taufsteinfagered
ein originales, unvollendetes Werkstück in Funtaliden   ein schlichter Taufstein aus Rotgneis
  in der Kirche von Ullared 
  ein Taufstein aus Amphibolit in der 
   Kirche in Fagered 
  Amphibolit-Taufstein mit 
   Resten roter Bemalung 
amphibolit funtaliden feiner amphibolit feiner amphibolit diorit
    Amphibolit von einem 
    Werkstück, Funtaliden 
feiner, granoblastischer Amphibolit und feiner, gneisiger Amphibolit,
                                        Straßenaufschluss nahe Källsjö 
   
 feinkörniger Diorit, 
 Straßenaufschluss ö. von Källsjö
   
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  "Gräne Gruva" bei Överlida (lok. 24)

  graene gruva   Wenige Kilometer nördlich von Överlida befindet sich ein sehenswertes Geotop - es ist ein ehemaliger

 Pegmatit-Tagebau.

Die Lokalität ist im Rahmen des “Ekomuseum“-Verbundes für Besucher eingerichtet und mit Infotafeln versehen.
Der eigentliche Abbauplatz stellt heute einen runden, nach oben offenen Schacht im Berg dar, den man über die ursprüngliche Rampe betritt.
Man hat hier durchaus ein besonderes Innenraum-Erlebnis, weil bei einem geringen Durchmesser (ca. 10 m) die hohen Felswände jeden äußeren Laut abschirmen. Dagegen fallen hörbar und gleichmäßig Wassertropfen aus der Höhe in einen kleinen Teich.
 
     Gräne Gruva       

An den Wänden sind pegmatitische Strukturen in vielen Variationen zu sehen:
Rötliche Alkalifeldspäte dominieren, es gibt aber auch weiße Plagioklase sowie rauchgrauen und milchig-weißen Quarz, große Biotit-Kristallaggregate und wenig, im weißen Feldspat eingestreuten Muskovit.

  pegmatitwand pegmatite anstehend pegmatite anstehend  
  Detailansichten der Pegmatitwand  
feldspathalde Kleine Halden außerhalb des Schachtes enthalten vor
allem Feldspatbruch.

Eine Besonderheit kann jedoch mit etwas Glück ebenfalls gefunden werden: Der Tagebau enthält ein hochradioaktives Mineral - Euxenit, in Brocken bis 20 cm. In einem kleinen Schaukasten sind Proben aller vorhandenen Minerale ausgestellt, sodass der Besucher weiß, wonach er suchen kann - oder um was er lieber einen Bogen macht…
      Halde:  überwiegend Feldspatbruch   


Der Pegmatit wurde zwischen 1899 und 1932 gewonnen und mit der Falkenberg-Schmalspurbahn zum Hafen transportiert, um dort nach Deutschland verschifft zu werden. Der Feldspat war für die Porzellanindustrie bestimmt, Quarz und der Gesteinsbruch wurden zur Füllung von Granaten verwendet.

Es werden auch Informationen gegeben zu den beachtlichen Aufwendungen, die unternommen wurden, um für den Abtransport des Gesteins am Ort ein Moor und einen See zu überwinden.

Einige kleine Proben aus den Halden des Tagebaus:

alkalifeldspat entmischungslamellen im feldspat plagioklas
  Alkalifeldspat mit Entmischungslamellen     Plagioklas mit Zwillingslamellen
biotitglimmer muskovitglimmer in feldspat milchquarz rauchquarz
    Biotitglimmer    Muskovitglimmer in Feldspat     Milchquarz    Rauchquarz
euxenit euxenit euxenit
   Euxenit, Breite: 1,5 cm    Breite: 1,5 cm    Breite: 1cm

Um den Tagebau zu erreichen, durchquert man in einem Moränengebiet eine umfangreiche Kiesgrube, die stillgelegt wurde und nun wiederaufgeforstet wird.

  angeschnittene moraenenwaelle   Sehr schön ist an einer Stelle eine Serie
angeschnittene glazialer Wälle zu sehen.