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Landschaft - Strände und Kliffs

 

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Varnaes Hoved

Ein exponiertes Kliff in der Apenrader Bucht

Varnaes Hoved ragt als markante Landspitze von Süden her in die Apenrader Förde. Es ist als Landschaftsform besonders ausgeprägt, weil östlich des Kaps der Als Fjord anschließt und so das Hoved sehr exponiert ist. Diese Lage und die Tatsache, dass die breite Bucht aufgrund ihrer Genese bis nah an das Kliff heran ungewöhnlich tief ist, sorgen für kräftigen Wellenschlag und Kliffabtrag.
(Dän. „Hoved“ bedeutet „Kopf“ und bezeichnet häufig ein vorspringendes Kap.) Von der Kante des Steilufers geht der Blick über die Apenrader Förde, zum Haderslev Naes (= Nase) und östlich nach Nord Alsen.

 

 

 

Das nördliche Sundeved ist eine dynamische, kuppige Endmoränenlandschaft: eng gestauchte Hügel, von schmalen gewundenen Tälern durchzogen, mit Weiden, Feldern, Waldinseln und kleinen Mooren. Wenige hundert Meter südlich des Kliffabbruchs liegt als Waldsee versteckt ein kleiner, lang gestreckter Zungenbeckensee. Der Skovsø ist das Relikt eines Seitenarms des großen Apenrader Gletschers. Die Senke, in der er liegt, setzt sich andeutungsweise fort bis zur Badebucht Varnaes Vig.

Wer beim Strandwandern Vanaes Hoved umrundet, findet am steil vorragenden, aktiven Kliff Lagerungsverhältnisse aufgeschlossen, die zu der hügelreichen Landschaft passen: gestauchte, aufgeschuppte Lagen aus Schmelzwassersanden, Kiesbändern und dunklem Geschiebemergel über einem Keil aus grauem Eemton.

Varnaes Hoved Varnaes Hoved 2

     Strandspaziergang, April 2008

Varnaes Vig nach Apenrade An der Westseite der Landspitze, zwischen der Badebucht und dem Hohen Kliff, gibt es einen gut ausgeschilderten Wanderparkplatz. Vor allem am Wochenende stehen meist etliche deutsche Autos dort, weil die Apenrader Bucht auf Grund ihrer Tiefe ein günstiges Angelrevier ist und der flache Ufersaum rund ums Hoved zum Strandangeln einlädt. Ein Angler sagte kürzlich etwas resignierend:
Die Angler haben zugenommen, die Forellen abgenommen…
logisch.
 
    Blick über Varnaes Vig nach Apenrade  
Stilles Kliff Über eine Wiese führt ein Pfad zum Strand, im Frühjahr 2008 ist die Treppe zum Ufer erneuert worden.
Am Strand geht der Blick über die innere Apenrader Förde, man sieht in der Ferne den Schornstein des Kraftwerks. Das Kliff ist hier wohl gut 5 m hoch, inaktiv, mit Sträuchern (viele Wildrosen) und jüngeren Bäumen bewachsen. Der Strand ist durchweg steinreich. Je näher der Vig und je weiter vom Kap desto mehr Sand ist beigemischt. Auch wächst stellenweise Schilf auf dem Uferstreifen. 
 
    Das stille Kliff bei Varnaes Vig   


Der Wasserstand ist heute niedrig. Ein Streifen geschwärzter Steine säumt die Wasserlinie. Wir wandern nach rechts, nordwärts, den Blick am Boden - ein Fleck mit vielen dunklen Gesteinen, Basalten, Amphiboliten, auch granathaltigen: wir halten Ausschau nach südwestschwedischen mafischen Granuliten. Beim letzten Besuch hatten wir spontan zwei schöne Granat-Coronite gefunden...
 
Olivinbasalt dolerit Basalt mit intrusivem, hellem Magma
    Olivinbasalt     Dolerit       Basalt mit hellem, intrusivem Magma 
Granatamphibolit  Mafischer Granulit Hornblendit 
    Granatamphibolit       mafischer Granulit      Hornblendit 


Der Himmel ist bewölkt, aber es regnet nicht. Beinah schade, denn die trockenen Steine am Strand sehen recht einheitlich hell aus und verraten selten auf den ersten Blick, was sie sind. Dennoch gibt es solche mit kontrastreichem Erscheinungsbild, die dazu verlocken, sie kurz ins Wasser zu tauchen, um sich an ihrem „Design“ zu freuen.

Migmatit  Metamorphit  Schlierengneis 
    Migmatit      Rotgneis      Schlierengneis 


Frühjahrsprimeln   Seitwärts schimmert es hell im Gestrüpp  -  Frühjahrsprimeln!
Sie lieben den Geschiebelehm, der Hang ist übersät mit den zartgelben Blüten.  

Allmählich wird das Kliff höher und steiler - kein Schilf mehr am Ufer, das als Wellenbrecher dienen könnte. Am Fuß des Kliffs verraten ausgespülte Höhlungen, dass in den Wintermonaten hier das Wasser nagte. Der steile Hang ist nur noch mit Gräsern und Kräutern bewachsen, kurzlebiger Halt für den nachrutschenden Boden. 

Auswaschung am Klifffuß Eem-Ton an der Basis junger Bewuchs
    Das Wasser nagt am Klifffuß      Eem-Ton an der Basis des Kliffs      kurzlebiger Bewuchs 
 
Nun haben wir die äußerste Landspitze erreicht. Das aktive hohe Kliff ist nicht ausgedehnt, es beschränkt sich im Wesentlichen auf das markante Horn, das herausfordernd, 15 – 20 m hoch, in die See ragt.
 
Eem-Ton, Ausschnit   Einem Schild vergleichbar steht eine aufgerichtete Scholle aus
Ton und Geschiebemergel vor den dahinter liegenden, gestauchten Schichten aus Schmelzsanden und Kies. Der Ton enthält geringe Mengen feinen Muschelbruchs und verrät so seine Entstehung als marine Schlickablagerung. Obenauf liegen jüngere Schichten,
schräg geneigt, aber weitgehend ungestört.
Wir versuchen - nicht sehr erfolgreich - uns vorzustellen, wie der gesamte Verlauf dieser Lagerung ausgesehen haben mag (auch das, was nicht mehr vorhanden ist)...  
Sehr gute Infos zur Eem-Warmzeit siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eem-Warmzeit
    Eem-Ton mit kleinen Muschelfragmenten    

Es sind hier Ablagerungen und nachfolgende Störungen aus verschiedenen Stadien der letzten Eiszeit erhalten. Etwas weiter östlich können wir die Dynamik der gestauchten Ablagerungen in handgreiflicher Nähe studieren - die Farbunterschiede zwischen den mehr tonigen und sandigen Lagen, dazwischen auch eine brauneisenreiche Oxydationsschicht, sind besonders deutlich.

Stauchung Schmelzwassersande Ausspülung
    gestauchte Lagen aus Podsolböden und   
    Sanden
    Schmelzwassersande      Ausspülung an der Kliffbasis 

Wenn die Landspitze umrundet ist, wird die Kliffkante ostwärts rasch niedriger, das Steilufer ist wieder bewachsen, ein passives grünes Kliff. Auf der Höhe des gesamten Kaps erstrecken sich landwirtschaftliche Flächen. Die nächste Anfahrtsmöglichkeit gibt es daher erst etwa 2 km weiter. Es ist der Strandparkplatz am Naldtangvej.

Steinstrand Grobkies Granite am Strand
    Findling am Geröllstrand      bunter Grobkies      Granite 

Nun tut uns der bewölkte Himmel doch noch den Gefallen: es fallen ein paar Regentropfen - gerade genug, um die unzähligen vielversprechenden Steine am Strand bunt aufleuchten zu lassen…
Und noch etwas beginnt aufzuleuchten, nachdem der kurze Regen weitergezogen ist (vermutlich hat es anderswo kräftig gegossen!): ein Regenbogen über dem Alsen Fjord. Klar und wunderschön.
Danach liegt Nord Alsen für einen Moment von der Sonne beschienen im Dunst jenseits des Fjords.

Regenbogen


Auf dem Rückweg gibt es dank der Nässe mehr zu entdecken…

pyterlitischer Granit  Karlshamn-Granit  Alsarp-Diabas-Porphyrit
    pylerlitischer Granit      Karlshamn-Granit      feldspatführender Diabas

In regelmäßigen Abständen stehen die Angler im flachen Wasser, sonst bleibt der Strand menschenleer.
Im Rückblick sehen wir das Hoved im Licht der späten Nachmittagssonne liegen, ein heiterer Ausklang eines schönen Strandspaziergangs.

Angler im Abendlicht Abendlicht
    Strandangler      Varnaes Hoved       Abendlicht 

Übrigens hält Varnaes Hoved auch die Möglichkeit zum Primitiv-Campen bereit. Eine kleine Wiese mit Grill und Sitzplatz erlaubt das Übernachten.

Primitiv-Camping  Tafel 
    Einfache Zeltmöglichkeit am Varnaes Hoved 
 
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